Nicht den Kopf einziehen

Corona hat unser Alltags- und Berufsleben seit Monaten fest im Griff. Dr. David Beck von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) kennt die Risikoszenarien und erklärt in »Der Personalrat« 11/2020 wie mit steigenden psychischen Belastungen in der Pandemie umzugehen ist.

Sind die psychischen Belastungen für Beschäftigte in den vergangenen Monaten angestiegen? Was ist das Hauptproblem?

Es ist davon auszugehen, dass die zum Teil tiefgreifenden Neu- und Umgestaltungen von Arbeitsplätzen und -abläufen, die in den Betrieben zum Zwecke des Schutzes vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 erforderlich sind, auch eine Veränderung der psychischen Belastung der Arbeit mit sich bringen. Exemplarisch zu nennen sind hier Belastungsveränderungen durch die Verlagerung von Arbeit ins Home-Office oder die Notwendigkeit, verstärkt über Telefon- und Videokonferenzen kommunizieren zu müssen. Zudem ist davon auszugehen, dass sich die psychische Beanspruchung der Beschäftigten auch durch die pandemiebedingten Veränderungen von Lebensbedingungen und Belastungen außerhalb der Erwerbsarbeit verändert. Als Beispiel: Erhöhte Anforderungen an die Betreuung von Kindern und Angehörigen, Ängste vor einer Infektion und Erkrankung, die Organisation des eigenen Gesundheits- und Infektionsschutzes im privaten und öffentlichen Leben, Umgang mit den Einschränkungen sozialer Kontakte bis hin zum Umgang mit den Folgen von sozialer Isolation und Quarantänemaßnahmen. Untersuchungen, die empirisch gesicherte Aussagen zur Entwicklung des Belastungsgeschehens erlauben würden, liegen seitens der BAuA allerdings noch nicht vor, sodass hierzu noch keine empirisch gesicherten Erkenntnisse berichtet werden können, auch nicht als Zwischenstand.

Wie können Personalräte Unterstützung anbieten?

Im Hinblick auf die Frage, was die betrieblichen Sozialpartner im Betrieb tun können, um Beschäftigte in dieser Situation so gut als möglich zu schützen, ist, auf die jüngst erschienene »SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel« zu verweisen. Gefordert ist hier explizit, Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Belastung der Arbeit der Beschäftigten »bei der Bewertung der Belastungssituation der Beschäftigten zu berücksichtigen und darauf basierend geeignete Maßnahmen zu ergreifen«. Beispielsweise ist darauf zu achten, dass auch bei der Verlagerung von Arbeit ins Home-Office Arbeitszeiten begrenzt bleiben und auch Beschäftigte, denen entsprechende technische Möglichkeiten für das Home-Office im Moment nicht zur Verfügung stehen, ihre Arbeitsaufgaben erfüllen können und ausreichend Zugang zu betrieblicher Kommunikation und Informationen haben. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind die Gestaltung der Arbeitsaufgaben, der Arbeitszeit und die Integration der im Home-Office befindlichen Beschäftigten in betriebliche Abläufe sowie die aufgrund der epidemischen Lage zusätzlich zu betrachtenden psychischen Belastungsfaktoren zu berücksichtigen. Für eine fortlaufende Beobachtung der Auswirkungen der Arbeitsprozesse auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind insbesondere die Führungskräfte zu sensibilisieren.

Wie lassen sich erhöhter Druck und Stress erkennen und abstellen bzw. im Vorfeld vermeiden?

Zu empfehlen ist weiterhin, Möglichkeiten der Gesundheitsförderung im Betrieb systematisch zu nutzen und so weit als möglich auszubauen, um Ängsten und Belastungen der Beschäftigten, die aus der Pandemie resultieren, auch im betrieblichen Setting Raum zu geben und ihnen Unterstützung zu offerieren. Zu nennen sind hier mehrere Maßnahmen oder Verhaltensweisen. Wichtig ist eine unterstützende und emphatische Führung, die auch den pandemiebedingten Belastungen, etwa durch erhöhte Anforderungen an die Betreuung von Kindern, Rechnung trägt; zum Beispiel im Zuge von Homeschooling. Ebenfalls zu nennen ist die Thematisierung von Ängsten und Problemen der Alltagsbewältigung in Team- und Mitarbeitergesprächen sowie die Aufbereitung und Vermittlung von profunden Informationen über Infektionsrisiken und Schutzmöglichkeiten.

Quelle: bund-verlag