GELEBTE DEMOKRATIE ALS ERFOLGSFAKTOR

Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer gehört zur DNA der sozialen Marktwirtschaft. In der Coronakrise zeigt sie ihre Stärke. Aber sie ist nicht nur für Ausnahmesituationen gut. Betriebs- und Aufsichtsräte setzen die Interessen der Belegschaft durch und stellen damit auch den langfristigen Erfolg der Unternehmen sicher.

In der Coronakrise zeigt Mitbestimmung ihre besondere Kraft. Betriebsräte und Gewerkschaften sorgen mit bindenden Vereinbarungen für sichere Arbeitsplätze und finanzielle Absicherung der Beschäftigten. Etwa, wenn es um die tarifvertraglich oder über Betriebsvereinbarungen geregelte Aufstockung des Kurzarbeitergelds geht. So unterzeichneten etwa bei der Fraport AG Betriebsrat und Management für die Beschäftigten am Frankfurter Flughafen eine Betriebsvereinbarung, in der sich das Unternehmen verpflichtet, je nach Umfang der Kurzarbeit das Kurzarbeitergeld auf 75 bis 95 Prozent des Nettoentgelts aufzustocken. In der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg wird das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag auf 80 bis 97 Prozent aufgestockt. Viele Unternehmen und Branchen haben außerdem Vereinbarungen zu Homeoffice, freien Tage für die Kinderbetreuung und zusätzlichen Arbeitsschutzmaßnahmen getroffen, um die Krise zu bewältigen. Aber die Mitbestimmung der Arbeitnehmer ist nicht nur für Ausnahmesituationen gut: Wann immer Arbeitgeber kurzfristig Profite auf Kosten der Beschäftigten – und bisweilen auch des langfristigen Unternehmenserfolgs – machen wollen, treten in mitbestimmten Firmen Betriebs- und Aufsichtsräte auf den Plan und sorgen dafür, dass die Interessen der Belegschaft nicht unter die Räder kommen. Das sichert den sozialen Frieden und ist Ausdruck der Tatsache, dass die Demokratie in Deutschland nicht am Werkstor endet. „Die Mitbestimmung gehört zur DNA der sozialen Marktwirtschaft, gerade in der Wissensökonomie des 21. Jahrhunderts. Sie bringt unterschiedliche Kompetenzen und wirtschaftlichen Erfolg zusammen“, sagt Michael Guggemos, Geschäftsführer der Hans-Böckler-Stiftung und Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex.

Von Mitbestimmung profitieren Arbeitgeber und -nehmer

Dass die Mitbestimmung dem gesamten Unternehmen nützt, belegen zahlreiche Studien. Sie zeigen, dass Unternehmen mit Betriebsrat zum Beispiel in Sachen Produktivität und Qualifikation der Beschäftigten die Nase vorn haben. Unternehmen mit Arbeitnehmern im Aufsichtsrat weisen eine überdurchschnittliche Rentabilität und Innovationskraft auf. Sie investieren mehr und sind in vielerlei Hinsicht stabiler als andere Unternehmen – was sich zum Beispiel in der Finanzkrise gezeigt hat. Sie verfolgen nachhaltigere und weniger spekulative Geschäftsmodelle und setzen eher auf Qualitätsproduktion als Billigangebote. Langfristig sind sie daher erfolgreicher. Gerade was die Zukunftsperspektive betrifft, erweisen sich Arbeitnehmervertreter als die wahren Hüter des Produktionskapitals, denn ihnen geht es um Investitionen in die Zukunft des Unternehmens und die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze. Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen im Aufsichtsrat Verantwortung übernehmen, können sich die Sichtweisen gewinnbringend ergänzen.